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Video drehen
Video vorbereiten und drehen
Jill und Jim wollen an einem Jugendfilmwettbewerb teilnehmen. Das Thema ist vorgegeben und lautet „Strasse“. Zuerst ist Jill und Jim ganz viel dazu eingefallen – aber eigentlich war es dann doch nichts Konkretes. Jetzt sitzen sie zusammen und wollen die Ideen entwickeln und einen Plan entwerfen. Sie sammeln all ihre Einfälle zum Thema „Strasse“. Bei einer Idee von Jim sagt Jill plötzlich: „Ach, das habe ich schon mal gesehen! Gab es nicht so eine ähnliche Szene in dem Film „Lola rennt?“ „ Ja, stimmt.“ meint Jim. „Vielleicht sollten wir überhaupt einmal schauen, an welche Filme wir bei dem Thema denken.“

In dieser Lerneinheit erfährst du:

Wie man einen Film vorbereitet
Hoch Runter

Planung und Vorbereitung
Video- und Filmkameras haben sich in den letzten Jahren sehr entwickelt. Während sich die ersten Filmpioniere mit schweren, unhandlichen Geräten abplagen mussten, haben inzwischen selbst kleinere Videokameras eine sehr gute Bildqualität erreicht. Vom Gewicht her ist das Filmen also in jedem Fall leichter geworden. Von langen Vorbereitungs- und Planungsphasen kann man jedoch immer noch ausgehen. Auch in der Filmindustrie wird ca. 60% der Zeit, die man an einem Film arbeitet, in die Planung investiert. Das
Drehen selbst und das Nachbearbeiten des Films machen jeweils nur 20% aus.

Skizzen für einen Film
Skizzen für einen Film

Recherche: Sammeln und Zusammentragen
In der Vorbereitungszeit beschäftigt man sich hauptsächlich mit dem Thema des Films und mit dazu. Eine Idee gibt es vielleicht schon, aber die muss nun etwas ausgearbeitet werden. Bei Jill und Jim ist die Idee durch das Thema des Wettbewerbs eingegrenzt. Beim ersten Ideensammeln haben sie festgestellt, dass ihnen oft bestimmte Szenen aus Filmen einfallen. Obwohl sie ihre eigenen Ideen entwickeln wollen, beschäftigen sie sich auch mit diesen Filmszenen. Sie suchen sie heraus und schauen sie noch einmal kritisch an: Was gefällt ihnen an diesen Szenen besonders gut? Warum gefällt es ihnen? Wie wurden die Szenen gedreht? Und schon sind sie mitten in der zu ihrem eigenen Film.

Seitdem er über das Filmthema nachdenkt, hat sich Jim angewöhnt, seine Kamera mitzunehmen, wenn er unterwegs ist. Immer wenn er etwas sieht, was irgendwie zum Thema passen könnte, macht er ein Foto.

Jill hat in der Bibliothek nach alten Stadtplänen von ihrem Wohnviertel recherchiert. Da gab es ein paar spannende Entwicklungen in den letzten hundert Jahren. Sie lässt sich von manchen Plänen Kopien anfertigen.

Eine Mappe oder eine Schachtel für das Sammelsurium ist für dieses Stadium empfehlenswert. Auch Profis sammeln auf diese Weise Material für den nächsten Film – {Moodboard} nennt sich eine solche Sammel- oder Skizzenmappe. Darin findet sich alles, was irgendwie mit dem Thema, das einen beschäftigt zu tun hat. Das können Postkarten, Kassetten mit bestimmten Musikstücken, Schokoladenpapier, Schnappschüsse, Zitate oder Notizen sein. Alles ist erlaubt.

Konzept: Aus Einfällen wird eine Geschichte
Damit aus den Rechercheergebnissen auch ein Film wird, muss man die Ideen in eine Geschichte umwandeln. Auch wenn man gar keinen Spielfilm drehen will, sondern z.B. einen Bericht – einen roten Faden gibt es immer. Der rote Faden ist die Geschichte.

Man beginnt nicht mit einer ausführlichen Geschichte, sondern versucht zunächst das Vorhaben in zwei bis drei Sätze zu fassen. Nur das Wichtigste sollte in diesen Sätzen vorkommen.

Jill und Jims Geschichte
Ein Mann kommt nach Jahrzehnten in seinen Geburtsort zurück und sucht die Roßbergstrasse. Er findet sie nicht, weil es die Strasse nicht mehr gibt. Das ganze Viertel wurde vor 20 Jahren umgebaut und neu strukturiert.

Den Kern zu finden, ist der schwierigste Teil. In der Filmsprache heißt der Kern {Plot}. Wenn der Plot steht, bereitet man die Ausarbeitung vor. Spätestens jetzt legt man sich auf ein fest. Wird es ein Spielfilm, eine oder eine ?

Spätestens jetzt sollte man sich auch überlegen, was man mit dem Film eigentlich aussagen will. Das geht nämlich nicht unbedingt aus dem Plot hervor. Zum Plot von Jill und Jim sind sehr verschiedene Aussagen möglich:

1) Durch den überstürzten Umbau vor 20 Jahren wurde das alte Stadtbild zerstört.
2) Der Umbau vor 20 Jahren kennzeichnete den wirtschaftlichen Aufstieg der Stadt.
3) Das Verschwinden der Strasse steht stellvertretend für …

An dieser Stelle sollte man sich auch festlegen, wie lang der Film wird und in welchem Stil (lustig, ironisch, neutral usw.) er gedreht werden soll.

TIPP
Nützliche Fragen für den Ablauf
Wie lautet die Geschichte in drei Sätzen?
Welche Art Film wird gedreht?
Was soll der Film aussagen?
Wie lang soll der Film sein?
Wo und wann spielt der Film?
Wer spielt mit?
Aus welcher Perspektive wird erzählt?

In dieser Phase bereitet man das Drehbuch vor. Es kann nützlich sein, verschiedene über Drehorte, Mitwirkende, Kostüme, usw. zu erstellen.

Man kann aber auch Themenblöcke bilden und diese genauer bestimmen. Jill und Jim haben für ihren Film z.B. die Themenblöcke ‚Geschichte der Strasse’, ‚das Viertel heute’, ‚der alte Mann’ und ‚Umbau des Viertels’ gefunden. Diesen Blöcken ordnen sie Bild- und Tonmaterial aus ihrem Moodboard zu. Auf Karteikärtchen schreiben sie wichtige Stichworte und ordnen sie ebenfalls den Themenblöcken zu.

Drehbuch: Die Geschichte aufschreiben
Ein Drehbuch ist nicht nur die ausführliche Niederschrift des Plots oder eine gut geschriebene Geschichte. Ein Drehbuch ist in erster Linie ein Arbeitsinstrument. Durch das Aufschreiben spielt man in Gedanken den ganzen Film schon einmal durch. So bekommt man schnell mit, wo Probleme auftauchen könnten und kann vorbeugen.

TIPP
Das kommt ins Drehbuch:
Drehorte
Zeitraum (Dauer) des Geschehens
Aufnahmesituation
Mitwirkende (Darsteller)
Interview, Kommentar, Dialog

Ein Drehbuch dient dazu, dass man sich alle Situationen vergegenwärtigt und „durchspielt“. Erzählerische und visuelle Elemente werden getrennt beschrieben. Nur der Handlungsablauf ist wichtig. Drehorte, Atmosphären oder Mitwirkende werden nur näher beschrieben, wenn sie direkt mit dem Handlungsablauf zu tun haben. Kameraanweisungen kommen nicht vor.

Die Szenen im Drehbuch wechseln mit den Drehorten. Ein klassisches Spielfilmdrehbuch besteht daher aus nummerierten Szenen und Angaben über den Drehort sowie die jeweilige Dreh-Tageszeit. Hauptsächlich aber kommen darin Dialoge oder Gespräche vor, ähnlich wie man sie aus Theaterstücken kennt. Denn meist ergibt sich der Handlungsablauf bei Spielfilmen aus einem Dialog.

Aber auch für Dokumentationen oder Berichte werden Drehbücher geschrieben. Sie bestehen aus einer mehrspaltigen Tabelle. Wie viele Spalten sie hat, liegt an den eigenen Bedürfnissen und Vorlieben. Sie sollte jedoch wenigstens eine Spalte für Folgendes bieten:

1) das Nummerieren der Szenen
2) die Angabe des Drehorts
3) die Angabe der Tageszeit
4) Länge der Szene in Min:Sek
5) Gesprochener Text/ (Inhalt)

Mehr Spalten können es immer sein – vorausgesetzt man behält den Überblick. Für den Drehort könnte man z.B. noch unterteilen, ob es Innen- oder Außenaufnahmen sind.

Der gesprochene Text ist die wichtigste Spalte, denn hieraus ergibt sich unmittelbar der Ablauf. Bei Dokumentationen oder Berichten braucht man natürlich keine ausgedachten Dialoge für die Spalte zu erfinden. Aber meistens geht es in den Situationen um Interviews oder Statements. Dazu hat man vorher Fragen entwickelt. Auch die Fragen liefern Anhaltspunkte für den Ablauf. Bei Dokumentationen oder Berichten gibt es meist zusätzlich einen Kommentar, der eingesprochen wird. Stichworte für den Kommentar sollten ergänzend zum Text oder in eine Zusatzspalte eingefügt werden. Geschrieben wird der Kommentar jedoch erst, wenn der Film im Rohschnitt vorliegt. Er muss ja für die Filmlänge passen.

TIPP
Drehgenehmigung und Einverständniserklärung
An manchen Orten braucht man eine Drehgenehmigung. Die sollte man sich natürlich vorher besorgen. Wenn man keine bekommt, muss man sich nach Alternativdrehorten umschauen.

Beim Filmen von Personen sollte man eine Einverständniserklärung zur Veröffentlichung des Materials einholen bevor man dreht!

Drehplan
Das Drehbuch ist auch die Grundlage für den Drehplan. Dieser ist nach Drehorten und -terminen geordnet. Alle Drehorte mit den dort zu drehenden Szenen und Darstellern werden darin aufgeführt. Nur so kann man effektiv drehen.

Wie man mit Bildern erzählt
Hoch Runter

Wenn man bis zum Drehbuch gekommen ist, hat man schon ein großes Stück Arbeit geschafft. Wie kann man seine Absichten jedoch jetzt umsetzen? Wie baut man eine Geschichte mit Bildern auf? In diesem Moment kommt bei großen Spielfilmproduktionen der Moment des . In einem wird Szene für Szene verbildlicht. Hier arbeiten Regie, Szenenbild, Kamera und Zeichner eng zusammen und entwickeln eine Art Comic ohne Sprechblasen.

Für anderes Genre reicht oft eine weitere Spalte in der Drehbuchtabelle. Hier werden dann verschiedene Ideen zu Einstellungsgrößen und Bildaufbau skizziert oder beschrieben. Das braucht keine Kunst zu sein – es geht darum, sich die Szene bildlich vorzustellen. Dazu reichen Strichmännchen und Pfeile.

Gestalterische Mittel im Film
Gestalterische Mittel im Film

Einstellungsgrößen und Orientierung
Der größte Fehler, den Filmanfänger oder Hobbyfilmer machen ist, dass sie nicht so filmen, wie man wahrnimmt. Wer kennt nicht die langweiligen Videoabende bei Freunden und Verwandten wo nun schon seit fünf Minuten die Kamera über den Horizont geschwenkt wird. Außer dass den Zuschauern von dem Gewackel fast schlecht wird, passiert nichts weiter. Der Filmende jedoch schwärmt laut „… und diese Landschaft, dieser weite Blick… unglaublich!“

Wenn man sich in einer neuen Umgebung umschaut, dreht man sich nicht einmal um die eigene Achse um einen Überblick zu bekommen. Man schaut auf verschiedene markante Punkte in der Umgebung. Abwechselnd visiert man Dinge in der Nähe und in der Ferne an oder springt mit dem Auge von einer Ecke zur anderen. Auch ein Gesicht oder eine Person tastet man mit dem Auge auf diese Weise ab: man macht sich ein Bild von jemanden, indem man lauter kleine Ausschnitte betrachtet und dann wieder mit einen Gesamteindruck abgleicht.

Einstellungsgrößen im Bezug auf den Menschen
Einstellungsgrößen im Bezug auf den Menschen

Dieses Springen mit dem Auge sollte man auch im Hinterkopf haben, wenn man filmt. Um die Schönheit einer Landschaft einzufangen, braucht man nicht mit der Kamera einen ewigen Schwenk zu drehen. Vielmehr sollte man eine von dem Gesamteindruck zeigen, um danach verschiedene von Details dieser Landschaft zeigen. Eine zerklüftete Felswand vielleicht, einen imposanten Baum, eine Berg- oder Fischerhütte usw.

So kann man auch genauer mitteilen, worauf es in dem Film eigentlich ankommt. Man kann den Blick der Zuschauer besser steuern.

Bildaufbau
Die Kamera fängt immer nur einen kleinen Ausschnitt ein. Daher muss man sich genau überlegen, welche Ausschnitte man in welcher Reihenfolge aneinanderreiht, um dem Zuschauer ein bestimmtes Bild zu vermitteln.

Oft ist es aber auch ganz praktisch, dass die Kamera „nur“ einen Ausschnitt aufnimmt. Man stelle sich vor: ein junges Paar am Strand, sie sonnt sich auf dem Handtuch, er schmiert sich gerade mit Sonnenmilch ein… das ist das Bild, das die Kamera filmt. In Wirklichkeit ist es vielleicht so: Kameraleute und Regie laufen in dicken Winterjacken herum, rings um die Handtücher sind große Scheinwerfer aufgestellt um das trübe Novemberlicht an der Ostsee aufzuhellen.

Was auf das Bild soll oder darf, wird oft vorher genau festgelegt.

Der goldene Schnitt
Schon in der Antike stellte man fest, dass Kunstwerke als „schön“ empfunden werden, wenn Längen und Breiten in einem bestimmten Verhältnis zu einander stehen. Dieses bestimmte Verhältnis von Zahlen zu einander wird oder manchmal auch genannt. Seit der Antike werden aus diesem Zahlenverhältnis ideale Proportionen in Kunst und Architektur entwickelt.

Stetige Teilung
Stetige Teilung

Wenn man einen Abschnitt nach den Regeln des Goldenen Schnitts teilt, ist das Verhältnis des längeren Teilabschnitts zum ganzen Abschnitt genau wie das Verhältnis des kürzeren Teilabschnitts zum längeren Teilabschnitt.

Auch das Videoformat kann man nach den Regeln des Goldenen Schnitts unterteilen. In der folgenden Abbildung kann man sehen, wie diese Unterteilung aussieht. Es geht bei der Bildkomposition jedoch nicht darum, sich akribisch an dieses zuhalten. Eine ungefähre Aufteilung in Drittel reicht auch schon. Das kann man besser verinnerlichen. Markante Linien oder Bildpunkte kann man dann auf die gedachten senkrechten oder waagerechten Strecken legen.

Optisches Raster
Optisches Raster

Kameraführung und Kamerabewegung
Wie schon erklärt, hat sich die Kameratechnik weiter entwickelt, die Kameras sind kleiner geworden und damit leichter zu tragen und zu transportieren. Das verleitet viele dazu, das Stativ zu Haus zu lassen. Darüber hinaus wird meist in den Kameras ein Ausgleich für das Wackeln angeboten. Man sollte sich ganz schnell abgewöhnen, diese Funktion zu benutzen! Die Bildqualität leidet darunter.

Natürlich ist ein Stativ umständlich und nicht in allen Situationen gut einsetzbar. Trotzdem werden die Aufnahmen ruhiger und besser, wenn die Kamera auf dem Stativ sitzt.

TIPP
Steadybag
Das ist eine Art Kissen, auf dem anstelle eines Stativs auch die Kamera stabil abstellen kann. Es ist mit kleinen Kügelchen gefüllt, die die Kamera vorm Verrutschen absichern. Man kann sich leicht selbst ein Steadybag herstellen, indem man einen Kissenbezug mit grobem Vogelfutter füllt. Auch ein Kirschkernkissen ist geeignet.

Man sollte sich nicht angewöhnen, die Kamera von einer Einstellung zur nächsten zu reißen. Während der Aufnahme hält man die Kamera still – danach schaltet man sie ab. Wichtig ist, dass man das Motiv lange genug und in optimaler Qualität gefilmt hat.

Meist stellt sich beim Schneiden heraus, dass man die Schwenks ohnehin nicht verwenden kann, weil die anvisierte Einstellung nicht gleich scharf war, doch ein Verwackler im Schwenk ist oder die Schwenkbewegung nicht gleichmäßig war.

Nur wenn man nicht in Ruhe die nächste Einstellung vorbereiten kann, darf man auch einmal schwenken – aber mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass das später wieder herausgeschnitten wird.

Kamerafahrt
Bei einer Kamerafahrt fährt die Kamera auf einem Schlitten und Schienen – alles muss rundherum gut geplant werden. Die Technik dazu ist aufwendig und teuer. Wenn man unbedingt eine Kamerafahrt machen möchte, kann man Experimente mit Kinder- oder Einkaufswagen machen. Auch Skateboards oder Fahrräder haben dabei schon gute Dienste geleistet. Solche Experimente machen viel Spaß – man sollte sich jedoch nicht darin verlieren.

Für den Schnitt drehen
Auch ständiges Hin und Herzoomen ist unbedingt zu vermeiden. Es ist auch nicht interessant, den geraden Weg von einem Motiv bis zu einem Detail oder umgekehrt zu verfolgen.

Zoom
Zoom

Ein Zoom ist keine besonders interessante Bewegung. Er liefert uns keinen neuen Blickwinkel auf ein Objekt.

Interessanter ist es, z.B. zunächst eine Halbtotale von einer Person, dann eine Großaufnahme aus einem anderen Winkel aufgenommen, dann wieder vom ersten Standort aufgenommen eine Nahaufnahme. So ergibt sich eine „natürlicher“ Zoom, der unseren Sehgewohnheiten entspricht. Allerdings entsteht dieser ‚Zoom’ erst durch das schneiden bei der Nachbearbeitung. Bei der Aufnahme muss man diesen Schnitt jedoch schon mitdenken – Aufnahme 1 und Aufnahme 3 sind wie gesagt vom gleichen Standort ausgefilmt. Das geht natürlich nur, wenn 1 und 3 nacheinander gedreht werden… dazu hat man ja auch vorher einen Drehplan gemacht.

Drehen für den Schnitt
Drehen für den Schnitt

Verfolgt man ein bewegtes Motiv, muss man mit der Kamera mitgehen. Meistens gibt es die Möglichkeit, vorher die Wege und Bewegungen mit den Mitwirkenden abzusprechen, so dass sie nicht plötzlich in eine Richtung verschwinden, in die man mit der Kamera nicht folgen kann.

Auch beim drehen von Bewegung sollte man an den Schnitt denken: Eine Bewegung wird abgeschlossen, indem man mit der Kamerabewegung innehält und die bewegte Person aus dem Bild gehen lässt. So lassen sich die Bilder später besser aneinander schneiden.

Was man vor der Aufnahme beachten sollte
Hoch Runter

Bevor man zu drehen beginnt, sollte man mit der Kamera genügend vertraut sein. Daher probiert man verschiedene Einstellungen und ihre Auswirkungen am besten vorher aus.

Weißabgleich
Am Anfang ist der Weißabgleich. Mit dem Weißabgleich legt man vor der Aufnahme fest, was Weiß ist. Damit bekommt die Kamera Information darüber, wie sie die Farbe Weiß interpretieren soll. Dazu hält man ein weißes Papier an die Stelle, wo man filmen will und drückt die entsprechenden Schalter für .
Ohne Weißabgleich werden die Bilder oft farbstichig und das ist hinterher kaum zu korrigieren.

Nach jedem Lichtwechsel wird ein neuer Weißabgleich vorgenommen.

Nur bei wechselhaften Lichtverhältnissen sollte man auf den automatischen Weißabgleich zurückgreifen. Vor allem wenn schnelle Wechsel zwischen außen und innen – also zwischen Tageslicht und Kunstlicht vorkommen.

Falscher Weißabgleich
Falscher Weißabgleich

Licht und Beleuchtung
Die modernen Videokameras können auch im Dämmrigen und Dunkeln filmen… allerdings sind die Bilder alles andere als überzeugend. Sie wirken grobkörnig und „grisselig“. Gute Beleuchtung ist ein wichtiger Faktor für gute Bilder. Daher sollte man das Licht von Anfang an mit in die Planung einbeziehen. Außendrehorte sind zu verschiedenen Tageszeiten zu besichtigen, um die optimale Lichtsituation herauszubekommen.

TIPP
Gain
Bei vielen Kameras wird mit Hilfe von Gain versucht, die Bilder künstlich aufzuhellen. Man erkennt das am „Grisseln“ der Bilder. Man kann den Gain aber auch einfach auf 0dB fixieren und damit abstellen.

Innenaufnahmen müssen gut vorbereitet werden. Inzwischen gibt es relativ günstige und transportable Hallogenstrahler, die man zum aufhellen mitnehmen kann. Hat man einmal mühsam einen Raum ausgeleuchtet, empfiehlt es sich, gleich alle Einstellungen für diesem Raum hintereinander zu drehen… so sollte es jedenfalls auf dem Drehplan stehen.

Auch bei Außenaufnahmen ist ein zügiges Abdrehen oft angesagt. Das Licht ändert sich im Verlauf des Tages durch den Sonnenstand – nicht immer ist das gewünscht.

TIPP
Reflektoren basteln
Reflektoren können gerade bei Außenaufnahmen die letzte Rettung für schattige Gesichter sein. Man spiegelt mit ihnen das einfallende Licht auf das Motiv.

Man kann einfache und effektive Reflektoren leicht selbst herstellen: Man braucht dazu nur eine große „Sandwich-Pappe“ und Alu-Folie. Sandwichpappe bekommt man im Zeichenladen. Sie besteht aus Karton zwischen den eine Schicht Schaumstoff geklebt ist. Auf eine Seite der Pappe klebt man die Alufolie. Schon ist der Reflektor fertig!

Nicht nur auf ausreichend Licht muss geachtet werden, auch auf die Lichtart kommt es an. {Hartes Licht} erzeugt scharfe Schatten und wirkt dominant. Mittags bei starkem Sonnenlicht zu filmen ist daher nicht günstig. Das {weiche Licht} eines wolkigen Tages ist optimales Filmlicht.

Umgang mit dem Autofokus
Der Autofokus soll Unterstützung beim Scharfstellen bieten. Allerdings sucht er sich selbst aus, was scharf gestellt wird. Das ist nicht immer das gleiche, was man selbst gern fokussieren würde. Außerdem braucht er manchmal ziemlich lange, bis das Bild wieder scharf ist. Meistens orientiert sich der Autofokus beim Scharfstellen an der Bildmitte. Objekte im Vordergrund werden von ihm bevorzugt fokussiert. Mit einfarbigen Flächen hat er hingegen Probleme und fährt ständig hin und her.

Wann immer man die Einstellung in Ruhe vorbereiten kann, sollte man den Autofokus abschalten und manuell scharf stellen.

Bei manchen Kameras kann man den Autofokus kurzzeitig in den manuellen Modus hinzuschalten. Man sollte auf jeden Fall die Reaktionen des Autofokus kennen, wenn man ihn einsetzt.

Ton
Ton, Geräusche und Musik sind im Film von entscheidender Bedeutung. Ein guter Originalton trägt mit zur Vermittlung einer „typischen“ Atmosphäre bei. Eingespielte Geräusche können Akzente setzen oder im Wortsinn eine „Geräuschkulisse“ bilden.
Gute Tonaufnahmen sind ebenso wichtig, wie gute Bildaufnahmen.

Die Aufnahmequalität der meisten DV-Kameras ist gut – allerdings sitzt das Mikrofon sehr dicht an der Kamera und nimmt alle Geräusche auf. Um Aufnahmen mit weniger Nebengeräuschen zu bekommen, sollten externe Mikrofone benutzt werden. Die meisten DV-Kameras haben dazu Anschlüsse. Wenn ein externes Mikrofon angesteckt ist, wird das interne meist automatisch ausgeschaltet.

Mikrofone
Mikrofone

Die Qualität der Aufnahme kontrolliert man über Kopfhörer. Die automatische Tonsteuerung wird abgeschaltet - man steuert die Aufnahme dabei am besten mit der Hand aus. Das Team sollte sich die Aufgaben bei der Aufnahme teilen.

Bevor Ton und Kamera laufen, sollte ein Soundcheck durchgeführt werden. Das ist eine kurze Testaufnahme durch die man beurteilen kann, ob alles richtig eingestellt ist. Die kann auch ohne Kamera bei der Drehortbesichtigung durchgeführt werden. Dabei kann man ruhig verschiedene Standorte für das Mikrofon testen.

Wenn die Akustik in einem Raum sehr schlecht ist, z.B. weil es hallt, kann man versuchen, durch Decken oder Polster eine Verbesserung herbei zuführen.

Der Ton kann zwar auch nachbearbeitet werden – an der Qualität kann man dabei jedoch nichts ändern. Windgeräusche können leider nicht weggezaubert werden.

TIPP
Rycote-Ersatz
Gegen störende Windgeräusche bei den Tonaufnahmen wird für professionelle Mikrofone ein pelziger Windschutz verwendet. Einfache Wollknäuel (Baumwollmischungen) die über das Mikrofon gezogen werden bewirken auch oft Erstaunliches.

Zusammenfassung

Inzwischen haben Jill und Jim ihre Idee zu einem Drehbuch entwickelt. Das war gar nicht so leicht. Wieder und wieder haben sie sich die Inhalt-Spalte durchgelesen und waren nicht zufrieden, weil der Ablauf noch nicht schlüssig war. Im Moment arbeiten sie nach ihrem Drehbuch Szene für Szene die Einstellungen ab. Sie kritzeln kleine Skizzen, um die Vorstellungen von den Aufnahmen festzuhalten. Dazu haben sie von vielen Drehorten Fotos gemacht. Sie wissen genau, wo sie mit schlechten Lichtverhältnissen oder Akustik rechnen müssen. Wenn die Probleme nicht zu beheben sind, suchen sie nach anderen Drehorten. Oft gibt es aber ausreichend Steckdosen für Strahler – einen Reflektor haben Jill und Jim auch schon gebastelt.

Damit sie sich an die Kamera gewöhnen, haben sie sie oft ausgeliehen und probiert, möglichst viel manuell zu steuern. Jetzt kann es eigentlich losgehen.

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